Nino

Clicker Training Journey

Was ist Klickern?

Unter dem Begriff versteht man eine Trainingsmethode, bei welcher man ein Signalgeräusch verwendet, um dem zu trainierenden Tier zu zeigen, dass es etwas richtig gemacht hat. Ein Klickgeräusch, das von einem sogenannten Klicker ausgelöst wird, ist dabei ideal, weil es so spezifisch ist. Dieses Geräusch taucht nicht einfach so im Alltag auf. Viele Menschen versuchen ihre Tiere nur mit normalem Lob zu trainieren, indem sie: "Ja" oder "Toll gemacht!" rufen. Es wird aber unweigerlich der Moment eintreten, wo man diese Wörter auch im Alltag verwenden wird, z.B. wenn man am Telefon über das Tier spricht. Jedes Mal, wenn das Tier das Signalgeräusch zufällig hört, wird es verwirrt sein und sich fragen, was es gerade richtig gemacht haben könnte. Im schlimmsten Fall fördert man dadurch ein Fehlverhalten. Das spezielle Klickgeräusch wird nicht einfach so im Alltag auftreten.

Es funktioniert so gut, dass man es bei wahrscheinlich jedem Säugetier versuchen kann. Zootiere werden sehr häufig mit einem Klicker trainiert, damit sie Aktionen ausführen wie z.B. in eine Transportbox zu steigen. Bei einem Tiger kann man so auf Betäubungsmittel verzichten und man wird beim Transport dennoch keine Pfleger gefährden.

Ein guter Start ist das Targettraining. Hier wird nach Bedarf zuerst ein Nasentarget und dann ein Pfotentarget trainiert. Für die Nase nimmt man eine Art Stab, dessen Spitze das Tier mit der Nase berührt. Oft machen sie das instinktiv sowieso, weil sie an dem fremden Objekt riechen wollen. Jedes Mal, wenn das Tier zum Target schaut, sich hinbewegt, klickt man. Nach einigen Wiederholungen versteht das Tier, dass es für die Berührung mit der Nase belohnt wird.

WICHTIG: Auf jeden Klick folgt eine Belohnung! Verfressene Tiere sind leichter zu trainieren, weil Futter eine einfache Motivation bildet. Für viele Tiere sind Streichel- und Spieleinheiten jedoch effektivere Belohnungen. Achtet unbedingt auf die Auswahl der Snacks, da sie u.U. viele Kalorien haben können. Zudem dauern die ersten Trainingseinheiten nicht länger als 5 Minuten. Zum einen soll das Tier nicht überfordert werden, zum anderen will man es auch nicht überfüttern und damit Übergewicht riskieren. Bei der Auswahl der Snacks ist zu beachten, dass man für das Klickertraining eine hohe Qualität auswählt bzw. es sollten die Lieblingssacks des Tieres sein - so kann man "normale Snacks" weiter im Alltag verfüttern, wenn man möchte. Die besonders leckeren bekommt das Tier aber nur, wenn es sich diese im Klickertraining verdient hat. Motivation und Spaß für das Tier ist das wichtigste im Klickertraining.

Eine Zielscheibe mit einem Pfeil in der Mitte

Targets

Für Nasentargets sind vor allem längliche Objekte wie Stäbe geeignet. Bei Pfotentargets verwendet man flache Flächen wie z.B. eine Fliegenklatsche oder eine Karte, die leicht zu merken ist.

Ein Symbol einer leuchtenden Glühbirne

Kreativität

Klickern fördert kreatives Denken, welches essentiell ist, um komplexe Probleme zu lösen. Wird das Gehirn regelmäßig angestrengt, bleibt der Geist fit und dies wird sich insbesondere im Alter zeigen.

Eine ruhig schlafende Katze

Erziehung

Ein wohlerzogenes Haustier, das selten Unsinn macht, sorgt für Frieden im Haus und damit für weniger Stress sowohl für Mensch als auch Tier. Üblich wären z.B.: Transportbox, Tischmanieren, etc.

a black cat wrapped in a blanket

Wer ist Nino?

Nino ist ein schwarzer Kater, der im September 2019 geboren wurde und im Alter von 8 Monaten mein neuer Mitbewohner wurde. Vorher lebte er in einem Tierheim. Ich weiß nicht viel über seine Vergangenheit, aber habe gesagt bekommen, dass er bereits zwei Mal zuvor wieder zurück ins Tierheim gebracht wurde, weil er "sich immer nur versteckt hat."

Da ich eine erfahrene Katzenhalterin bin und mich schon seit meiner Kindheit für Katzensprache interessiert hatte, nahm ich die Herausforderung an diesen Kater zu sozialisieren und ihm so ein möglichst stressfreies und glückliches Leben zu schenken.

Er war bei seiner Ankunft bei mir sehr scheu und kam selten aus seinen zahlreichen Verstecken heraus. In den ersten 3 Tagen hat er nicht mal gefressen - das machte mir schon etwas Sorgen. Ich stellte ein Buffet mit verschiedenen Katzenfuttersorten für ihn auf und das blieb ignoriert. Ich beschloss ihn in Ruhe zu lassen und am 4. Tag holte er sich dann doch was zu Fressen ab. Ab da hab ich jeden Abend mit ihm gespielt. Er hat dabei zwar Abstand zu mir gehalten, aber es war ein Anfang. Nach 4 Wochen war es dann endlich soweit: Er hat von sich aus angefangen sich an meine Hand zu kuscheln. Hier begann unsere innige Freundschaft.

Fotos

Wieso lernt Nino Clickertraining?

Auch wenn er nach einem Jahr ein liebevoller, kuschelsüchtiger und verspielter Kater geworden ist, der sich mittlerweile auch vor Besuchern kontaktfreudig zeigt, so legt er noch einige Verhaltensweisen an den Tag, die ich als störend empfinde. So balanciert er z.B. liebend gern auf dem Wäscheständer herum, während dort saubere Wäsche hängt, und wirft auch mal Wäsche von da runter. Leider frisst er auch ohne Hemmungen Papier und Schnüre von Spielzeugen und diese Angewohnheit kann für ihn gefährlich werden. Nun weiß der erfahrene Katzenhalter natürlich, dass Katzen Bestrafungen nicht verstehen und es darum sinnlos ist über solche Maßnahmen nachzudenken. Was kann man also tun?

Durch die Videos von Jackson Galaxy habe ich gelernt, dass Katzen zu jedem No auch ein Yes brauchen. Im Beispiel des Wäscheständers wäre ein Kompromiss einen großen Kratzbaum aufzustellen mit herabhängendem Spielzeug, was viel attraktiver als ein wackeliger Wäscheständer sein sollte. Bezüglich seiner Essstörung, die als Pica-Syndrom bekannt ist, kann man nicht viel tun außer die Schwänze von Spielzeugmäusen abzuschneiden und kein Papier irgendwo herumliegen zu lassen. "Zum Glück" macht er das nur, während ich schlafe, weswegen ich darauf schließen kann, dass ihm nachts einfach nur langweilig ist, aber dass es ihm ansonsten (tagsüber) gut geht. Nächstes Jahr ist geplant eine zweite Katze zu adoptieren und spätestens dann sollte er diese Angewohnheit hoffentlich ablegen.

Am 25. Juni 2021 ist aber etwas passiert, das mich wachgerüttelt hat und mich zu der Entscheidung führte aktiver zu werden meinen Kater zu erziehen. Als ich mit ihm in der Heimat zu Besuch war, ist er am Morgen vom Balkon runtergesprungen und es dauerte 18 Stunden bis ich ihn wiederfand und zurück nach Hause bringen konnte. Er ist ein ängstlicher Wohnungskater, der sich noch nicht gut auf den Arm nehmen lässt und das hat es sehr erschwert ihn einzufangen. Sich hochheben zu lassen ist für Katzen auch in anderen Situationen sehr wichtig, z.B. beim Tierarzt. Auch freiwillig in die Transportbox zu steigen würde uns beiden viel Stress und Zeit ersparen.

Clickertraining ist die Antwort auf diese Wünsche. Auf dieser Basis ist es möglich meinem Kater allerlei Dinge beizubringen. Auf dieser Seite lesen Sie wie wir angefangen haben und was Nino auf seinem Weg gelernt hat.

Klickervideos

Nasentarget: "Tipp!"

Wie bereits unter Was ist Klickern? erklärt haben wir als erstes das Nasentarget geübt. Stabartige Dinge sind dafür ideal - später kann man den Stab dafür nutzen auf andere Dinge zu tippen, damit die Katze sie mit der Nase anstubst.

Ich wählte hierfür eine Katzenangel. Später hat er gelernt die Spitze von meinem Zeigefinger ebenfalls mit der Nase anzutippen.

Pfotentarget: "Touch!"

Für das Pfotentarget eignet sich alles, was flach ist. Nino wurde auf eine blaue Holzmünze konditioniert. Er erkennt das Muster inzwischen von weitem und hebt als Reaktion sogar schon bei Sichtkontakt eine Pfote.

Deshalb kann ich die Münze auch auf andere Gegenstände legen und nach einigen Wiederholungen versteht er dann, dass er den neuen Gegenstand ebenfalls berühren soll (z.B. meine flache Hand). In den meisten Guides wird die Verwendung einer Fliegenklatsche empfohlen, aber wie gesagt: Alles was flach ist funktioniert für den Anfang. Später kann eine Katze auch Gegenstände mit ganz unterschiedlichen Formen auf Kommando berühren.

High Five / Pfötchen

Dieser Trick hat etwas länger gedauert als das einfache Pfotentarget. Für Katzen ist das Zuschlagen mit der Pfote eine aggressive Geste und da Nino mir freundlich gesinnt ist, möchte er meine Hände natürlich nicht schlagen.

Ich habe also damit angefangen ihm verschiedene Gegenstände zum "antatschen" gegeben und am Anfang immer die Münze draufgelegt, damit er das Prinzip versteht. Schließlich habe ich die Münze auf meine Handfläche gelegt und am Anfang ist er sehr zögerlich gewesen und versuchte stattdessen zärtlich die Seiten meiner Finger anzustubsen. Mit viel Geduld hat er es aber innerhalb von ungefähr einer Woche perfektioniert.

Manchmal hat er vor Aufregung unabsichtlich die Krallen ausgefahren und mich somit leicht gekratzt. Dafür bekommt er dann nie einen Klick und keine Belohnung. Stattdessen quietsche ich dann: "Aua!" Dann darf er das High Five wiederholen und bisher hatte er jeweils beim nächsten Mal immer die Krallen eingefahren und sich seine Belohnung verdient.

Buzzertraining

Ich hatte schon oft gesehen, dass Menschen ihre Katzen und Hunde trainieren eine Klingel zu betätigen, wenn sie essen wollen. In dem Rahmen hatte ich mir überlegt, dass dieses Prinzip auch mit Buzzern funktionieren könnte.

Auf meiner Recherche stieß ich auf viele Videos von Hunden, die mithilfe von Buzzern kommunizieren konnten, ob sie essen, schmusen oder spazieren wollten. Einige konnten sogar spezifizieren wo sie spazieren gehen wollen.

Es gibt auch Videos dazu wie Leute dasselbe mit Katzen versuchen und meistens scheitern. Mir ist dabei aufgefallen, dass die Halter darauf vertrauen, dass ihre Katze den richtigen Buzzer an der Farbe erkennen würden - aber das ist nicht möglich. Katzen können nur 3 Farben sehen: Lila, blau und grün. Alle anderen Farben erscheinen in Grautönen. Meine bisherigen Trainingseinheiten mit Nino haben gezeigt, dass er sich die richtige Assoziation (Bedeutung) der Audioaufnahmen gemerkt hat, aber bevor er einen Buzzer betätigt, scheint er nicht zu verstehen, welcher Ton da rauskommen wird. Er kann das Aussehen der Buzzer nicht unterscheiden. Auch die Hunde aus den o.g. Videos reagieren verwirrt, wenn die Position ihrer Buzzer verändert wird, weil auch sie die Farben nicht unterscheiden können.

Im Rahmen einer Hausarbeit zum Thema Semiotik habe ich mich also dazu entschieden Symbole für die Buzzer zu designen, die meine Katze sich merken kann. Dann werde ich das Experiment wiederholen.

Wie im Video zu erkennen ist, drückt Nino auch noch nicht fest genug auf die Buzzer, um die Töne selbst auszulösen. Das liegt wahrscheinlich an der Tatsache, dass er als Katze deutlich zärtlicher und feinmotorischer mit seinen Pfoten umgeht als Hunde es tun. Hunde drücken meistens allein schon fest genug, weil die meisten Hunderassen einfach größer und schwerer sind als Katzen. Bisher hat Nino manchmal richtig mit mehr Körpergewicht auf die Buzzer gedrückt, aber er tut es nicht immer. Dies einer Katze zu vermitteln kostet viel Geduld.

Fazit

Ich habe am 3. Juli 2021 angefangen Nino mit einem Clicker zu trainieren und schreibe dieses Fazit genau 4 Wochen später am 3. August 2021. Ich bin begeistert wie schnell mein Kater gelernt hat einfache Tricks auszuführen. Wie viele andere habe auch ich mein Leben lang gedacht, dass Katzen schwerer zu trainieren seien als Hunde. Nun habe ich den direkten Vergleich.

Früher in meiner späten Kindheit hatte ich mal einen Hund, dem ich auch die typischen Tricks beigebracht wie "Sitz", "Pfötchen", "Platz", "Rolle", "Männchen". Damals kannte ich klickern nicht und habe ihn mit ganz normalem Lob und Leckerlis trainiert. Für einen Hund reicht das wohl als Motivation. Es dauerte aber Jahre bis er all das konnte - wahrscheinlich auch, weil ich das nebenbei aus Spaß machte und nicht so zielstrebig mit Methode wie heute.

Zur selben Zeit besaß ich auch zwei Katzen, die schon älter als 10 Jahre waren und bei ihnen hat das nicht so selbstverständlich geklappt wie mit dem Hund. Dazu muss ich aber sagen, dass zu einer guten Haustiererziehung ja nicht nur Tricks gehören sondern auch Sozialverhalten und ähnliches. Darin wurde mein Hund leider kaum trainiert und als Kind war mir die Wichtigkeit dahinter auch nicht bewusst. Auch bei einem Hund reicht Lob allein nicht aus, um ihn zu sozialisieren oder generell zu erziehen - man muss wissen was man tut und viele wenden sich dabei zurecht an Hundeschulen.

Bei meinem heutigen Kater Nino habe ich festgestellt, dass ich ihm mit der richtigen Methode genauso schnell Tricks beibringen kann wie einem Hund. Seit Nino das Targettraining verstanden hat, kann ich ihm innerhalb weniger Tage neue Tricks beibringen. Ich bin froh es ausprobiert zu haben und freue mich schon darauf zu sehen, was er in Zukunft alles können wird.

Eine zukünftige Herausforderung wird vor allem der Erziehungsaspekt des Trainings sein, denn in den nächsten Jahren wird Nino lernen müssen auch Gäste und andere Katzen in meiner Wohnung zu akzeptieren. Nino ist als Angstkatze aufgewachsen und ich wünsche mir ihm mit der Zeit genug Selbstvertrauen zu schenken, damit er ein entspannteres Leben mit mir führen kann.